Börsianer über Michelin enttäuscht

Der französische Reifenhersteller Michelin hat trotz eines Gewinnsprungs die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Unter dem Strich verdiente der Konzern im vergangenen Jahr 774 Millionen Euro und damit 35,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie Michelin am Freitag in Paris weiter mitteilte, stieg der Umsatz um drei Prozent auf 16,9 Milliarden Euro. Nach zwei flauen Jahren sei Michelin wieder auf Wachstumskurs, sagte Konzern-Chef Michel Rollier. Angesichts hoher Rohstoffkosten zeigte sich der Konzern aus Clermont-Ferrand für 2008 aber nur verhalten optimistisch und kündigte Preissteigerungen an.

Trotz des kräftigen Gewinnzuwachses drehten Michelin-Titel an der Pariser Börse ins Minus. Am Freitagmittag waren die Papiere mit einem Verlust von 2,78 Prozent auf 59,50 Euro einer der schwächsten Titel im französischen Leitindex, dem CAC40. Analysten hatten auch wegen des schwachen Vorjahres mit höheren Umsatz- und Gewinnzuwächsen gerechnet. Michelin hatte 2006 wegen hoher Umstrukturierungskosten einen Gewinneinbruch verzeichnet. Für dieses Jahr kündigte Michelin erneut Restrukturierungskosten in Höhe von 326 Millionen Euro an, was für die Experten unerwartet kam.
Zudem dürften die steigenden Kosten für Reifen etwa für Kautschuk 2008 zu einer zusätzlichen Belastung von rund 200 Millionen Euro führen, wie das Unternehmen erklärte. «Das heißt nichts anderes, als dass sich das Marktumfeld für Michelin verschlechtern wird», sagte ein Börsenhändler. Den Aktionären soll eine Dividende von 1,60 Euro pro Aktie gezahlt werden, das ist ein Plus von 10,3 Prozent im Vorjahresvergleich.
Michelin ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Werken in 19 Ländern und auch für Straßenkarten sowie die Gourmet-Führer mit den «Sternen» für Spitzenküche bekannt. Michelin bekräftigte, sein Werk Kléber im westfranzösischen Toul mit etwa 900 Mitarbeitern schließen zu wollen. Etwa 60 Beschäftigte beteiligten sich an einer Protestaktion. Dabei kam es zu Zwischenfällen, als mehrere leitende Angestellte vorübergehend am Verlassen des Werksgeländes gehindert wurden.

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